NOCTURNAL LINES

Nocturnal Lines
18.09.2021 – 23.10.2021
Zuzanna Skiba (Berlin) & Karen Simon (Berlin/Potsdam)


Wie der Titel verrät, ist "Nocturnal Lines" eine Ausstellung, die die Schönheit der Dunkelheit und die Kraft der Geometrie thematisiert.


Schwarz, Grau und Blau bilden den Rahmen für die nächtliche Atmosphäre, die diese Ausstellung einnimmt. Verlassene Wälder, Magnetfelder und dunkle Landschaften sind einige der Szenen, die in der Ästhetik dieser Show vorherrschen. Eine unheimliche Stimmung, begleitet von abstrakter Malerei, Stickerei und Zeichnung, bildet die Grundlage für die Arbeiten der beiden in Potsdam ausstellenden Künstlerinnen.


Aus der Schnittstelle zwischen Kunst und Kartographie entwickelt Zuzanna Skiba autonome Bilder, unterstützt vom Gedankengerüst eines Magnetfeldes, Luftbildes und der Geländeschraffur. In ihren Arbeiten verbindet sie die Perspektiven: von oben, aus dem Mittendrin und von unten.


Zuzanna Skiba schafft unmittelbare Eindrücke, die einer traditionellen Landschaftsmalerei ähneln. Sie lehnt diese Konventionen allerdings ab, um ihren Werken eine unendliche, innere Tiefe und ein Gefühl von flüchtiger Dinglichkeit zu geben. Der Reiz ihrer Bilder liegt in der Schaffung neuer geschlossener Räume, es sind Momentaufnahmen eines größeren Ganzen, die dem Betrachter verborgen bleiben und nur in der Phantasie rekonstruiert werden können.


Simon ist Malerin, Bühnen- und Kostümbildnerin; ihre Darstellungen entstehen oft parallel zur Gestaltung von Theaterbühnen oder unkonventionelleren Orten wie Schwimmbädern. Dieses Zusammenspiel verleiht ihren Bildern einen unverkennbar installativen Charakter. Sie arbeitet auf Leinwänden mit Tusche, Aquarellfarben und Fäden unterschiedlicher Stärke, die sie unkonventionell, großzügig und kühn kombiniert.


Simon entwirft fantastische Räume, unternimmt architektonische Wagnisse und lenkt den Blick in unhaltbare Interieurs. Wie in Skibas Arbeiten werden Vorder- und Hintergrund zu obsoleten Kategorien. Simons Motive und Farbverläufe verschränken sich zu Bildern, die wie Erinnerungen an einen fragmentierten Traum oder Albtraum wirken.


Wie alte Fotos, die von der Zeit verschlungen wurden, existieren Simons Werke jenseits der Zeit und lassen Traurigkeit und Freude, Angst und Trost nebeneinander bestehen. Und deshalb haben ihre Bilder gerade in ihrer Fragmentarität und Abstraktion etwas erstaunlich Menschliches.


Über Zuzanna Skiba
Zuzanna Zita Skiba, geboren 1968 im nördlichen Polen an der Ostsee, stammt aus einer deutsch-ukrainischen Aussiedlerfamilie. 1977 kommt sie mit ihrer Familie legal aus Polen nach Westdeutschland. Nach mehreren Ortswechseln in Auffanglagern lässt sich die Familie in Bielefeld nieder, wo sie ab 1985 den Beruf der Kartographin, damals noch mit Ziehfeder und Lupe von Picke auf erlernt. In dieser Ausbildung beschäftigt sie sich mit Luftbildauswertung, Geländeschummerung und ist von der grenzenlosen Vogel-Perspektive stark fasziniert. 1991 folgt ein Studium der Malerei an der FH Gestaltung in  Bielefeld, anschließend Kunstakademie Minerva in Groningen (Niederlande) und schließlich an der Universität der Künste, Berlin. Skiba arbeitet international und ist Mitglied beim Deutschen Künstlerbund. Sie erhielt zahlreiche Förderungen, u. a. das Arbeitsstipendium für die Residenz auf der norwegischen Insel Fruholmen zum Thema Drama in der Landschaft am Nordkap.


Über Karen Simon
Karen Simon wurde 1972 in Erfurt geboren und lebt heute in Potsdam. Sie studierte zunächst Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule der Künste in Berlin bei Professor Martin Rupprecht und setzte ihr Studium dann als Stipendiatin in Rom und am California Institute of the Arts (Calarts) in Los Angeles (Bachelor of Arts) fort. Seit ihrem Diplom in Berlin arbeitet Karen Simon als Künstlerin im In- und Ausland an der Schnittstelle von Theater, Installation und Malerei. 2003 wurde sie von Theater Heute als Nachwuchskostümbildnerin des Jahres ausgezeichnet. Theaterengagements führten sie u. a. an die Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz Berlin, an das Staatstheater Stuttgart, Schauspielhaus Hamburg und Theater Bremen. Sie arbeitete für die Karl Hofer Gesellschaft Berlin, die Biennale Venedig (mit Dovrat Ana Meron) und das Performance Art Festival Korea („The nature of a red Dot“). 


Kuratiert von Vanessa Souli und Sandra Schindler


Schindler LAB
Bäckerstraße 3, 14467
Potsdam