MARKUS LÜPERTZ

NEUE ARBEITEN AUF PAPIER | NEW WORKS ON PAPER



Sebastiano del Piombo, Pietà (c. 1516-1517), Oil on panel, 270 x 225 cm, Museo Civico, Viterbo

„Welchen tiefen Eindruck die Konfrontation mit den dramatischen Figuren Michelangelos in Sebastiano hinterlassen hat, sieht man an der nächtlichen ‚Pietà [Beweinung Christi]‘ (auch ‚Viterbo Pietà‘) für Giovanni Botonti. Auf der Rückseite der Tafel finden sich Zeichnungen sowohl von Michelangelo wie Sebastiano, was als frühester Beleg für die Zusammenarbeit beider im Sommer 1512 gelten darf. Die ‚Pietà‘, die zwischen 1512 und 1516 entwickelt wurde, bringt die Qualitäten und Talente beider Künstler zu einer Synthese. Die nächtliche, atmosphärische Landschaft war in Rom ein absolutes Novum und erzielte, Vasari zufolge, höchste Bewunderung, denn die ‚Viterbo Pietà‘ ist die erste großformatige Nachtlandschaft in der europäischen Kunstgeschichte.“

“The confrontation with the dramatic figures of Michelangelo left a deep impression in Sebastiano and can be seen in the nocturnal ‘Pietà’ (Viterbo Pietà) for Giovanni Botonti. On the back of the panel there are drawings by both Michelangelo and Sebastiano, which is the earliest evidence of the collaboration between the two in the summer of 1512. The ‘Pietà’, which was developed between 1512 and 1516, brings together the qualities and talents of both artists. The nocturnal, atmospheric landscape was an absolute novelty in Rome and, according to Vasari, achieved great admiration, because the ‘Viterbo Pietà’ is the first large-format night landscape in European art history.”

Alexandra Matzner, 5.6.2017: Michelangelo & Sebastiano del Piombo: Künstlerfreundschaft, Copyright und Konkurrenz.

MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

44 x 64 cm
Mischtechnik auf Papier
Verso unten rechts: ML

MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

29,5 x 42 cm
Bleistift auf Papier
Verso unten rechts: ML


„In dieser Folge von Zeichnungen enthält der Akt eine Geschichte, das ist unmöglich zu bestreiten, doch ist es diese Geschichte und nichts über sie hinaus. Am Ende weiß man nicht mehr, um welche Zeit und welche Erzählung es gegangen ist. Die Zeichnung drängt ihr Gesetz allen anderen Gegebenheiten auf. […] Dieser auf dem Boden ausgestreckte Akt, der sich frei anderen Motiven zugesellt, entfernt sich doch von der Pietà des Sebastiano del Piombo (1516/17), welche sich im Städtischen Museum von Viterbo befindet.“

”In this series of drawings, the nude has its story, there’s no denying that, but it is that story and nothing else. You end up not knowing which period and which story it is. The drawing imposes its rule over any other given. […] The naked man lying flat on the floor, freely associated with other motifs, has come a long way from the Pietà by Sebastiano del Piombo (1516/17) now in the Museo Civico in Viterbo.”

Éric Darragon, in: 'Markus Lüpertz. Neue Arbeiten auf Papier', Märkisch Wilmersdorf, Köln, New York : Michael Werner, 2021.


MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

44 x 64 cm
Mischtechnik auf Papier
Verso unten rechts: ML



Doryphoros of Pompeii, Luna Marmor / Luna marble, Museo Archeologico Nazionale di Napoli

Als Doryphoros („Speerträger“) wird ein Statuentypus bezeichnet, der in mehreren Marmorkopien römischer Zeit erhalten ist und im Original auf eine Bronzestatue des Polyklet, einem Bildhauer des 5. Jahrhunderts v. Chr., zurückgeht. Mit dem Doryphoros hat Polyklet die griechische Kunst in eine neue Welt erhoben. Bis dahin hatte sich die Plastik von der archaischen Starre zu einer freien Ponderation entwickelt, die der natürlichen Weise zu stehen und sich zu bewegen entsprach. Auch der Doryphoros scheint vollkommen natürlich dazustehen. Zugleich verkörperte er jedoch ein Gesetz, das für die Griechen universelle Gültigkeit besaß, das Gleichgewicht der Kräfte oder der Gegensätze, ihre gegenstrebige Harmonie.

Doryphoros ("spear-bearer") is a type of statue that has been preserved in several marble copies from Roman times and the original is based on a bronze statue of Polyklet, a sculptor of the 5th century BC. Chr. With Doryphoros, Polyklet raised Greek art into a new world. By then, sculpture had developed from archaic rigidity to free ponderation that corresponded to the natural way of standing and moving. Doryphoros also seems to stand perfectly natural. At the same time, however, he embodied a law that was universally valid for the Greeks, the balance of forces or opposites, their opposing harmony.

MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

93 x 72,5 cm
Mischtechnik auf Papier
Verso oben rechts: ML

MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

42 x 29,5 cm
Kohle, Pastellkreide auf Papier
Verso unten rechts: ML

MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

95 x 46 cm
Mischtechnik, Collage auf Papier
Verso unten links: ML



Tizian oder Giorgione zugeschrieben / Assigned to Tizian or Giorgione, Le Concert champêtre, 1500-1510, Öl auf Leinwand / Oil on canvas, 110 x 138 cm, Louvre, Paris

„Das Ländliche Konzert ist zweifellos eine Komposition, die ohne gelehrten Kommentar nicht auskommt, vor allem um die Funktion der beiden Nymphen zu erklären, die die Szene gliedern. Schon bevor das Gemälde ikonografischen Untersuchungen unterworfen worden ist und die Debatte losbrach, ob es denn nun von Giorgione oder Tizian stammt, war es vom 17. Jahrhundert (damals gehörte es zur Sammlung von Ludwig XIV.) bis zum 19. als Meisterleistung der venezianischen Kunst anerkannt. Mit dem Frühstück im Grünen von 1863 gewann das Gemälde aus dem Louvre neue Aktualität;“

”One cannot easily ignore scholarly commentary on The Pastoral Concert (Concert champêtre), especially if one is to appreciate the function of the two nymphs in the composition. Before it was the subject of iconographical scrutiny, and discussion as to whether it should be attributed to Giorgione or Titian, the painting was recognised in the 17th century (it was part of Louis XIV’s collection) and then in the 19th century as a major achievement of Venetian art. With the Déjeuner sur l’herbe in 1863, the Concert champêtre suddenly acquired new topicality;”

Éric Darragon, in: 'Markus Lüpertz. Neue Arbeiten auf Papier', Märkisch Wilmersdorf, Köln, New York : Michael Werner, 2021.


MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

29,5 x 42 cm
Tusche auf Papier
Verso unten rechts: ML

MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

29,5 x 42 cm
Tusche auf Papier
Verso unten rechts: ML


"Lüpertz, der den Musiker und den Dichter des Ländlichen Konzerts ihrer Pastorale überlässt, fertigt mehrere Zeichnungen nach den beiden Akten an. Zufällig vereint erscheinen sie nur auf einem einzigen Blatt. Die Auslegung der «poesia» lässt er beiseite, gießt und allgemein als die geheimnisvollere der beiden gilt. Aus ihrer Bewegung gewinnt er die widersprüchlichsten Effekte in einer montagehaften Zusammenstellung, die die Struktur der Zeichnung freilegt und sie von den Zwängen des aus ihr hervorgegangenen Ideals unabhängig macht, eines Ideals, dessen festhalten will er allein unverstellte Nacktheit, vor allem die der linken Figur, die Wasser in ein Becken Tod und Auferstehung zu feiern er keine Hemmung hat.“

“Leaving the musician and the poet to their pastoral concert, Lüpertz made several drawings after the two nude figures, arbitrarily combining them on a single sheet. He makes no attempt at interpretation of the „poesia“, but concentrates on the nudity in its most obvious expression, especaially with regard to the figure pouring water into a fountain, on the left, generally considered to be the more enigmatic of the two. Her gesture ist the source of his most discordant effects, in particular through a collage that isolates the principle of the drawing and gives it an autonomy that frees it from the straitjacket of the ideal from which it originates and whose death and resurrection it unashamedly celebrates.”

Éric Darragon, in: 'Markus Lüpertz. Neue Arbeiten auf Papier', Märkisch Wilmersdorf, Köln, New York : Michael Werner, 2021.


MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

42 x 29,5 cm
Mischtechnik auf Papier
Verso unten rechts: ML

MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

42 x 29,5 cm
Mischtechnik, Collage auf Papier
Verso unten rechts: ML

MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

42 x 29,5 cm
Kohle, Tusche auf Papier
Verso unten rechts: ML

MARKUS LÜPERTZ
Ohne Titel, 2020

42 x 29,5 cm
Mischtechnik auf Papier
Verso unten rechts: ML